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Walther Lefeldt
Kompositionen
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Dokumentation

Katalog "Zeitgenössische Kunst aus der Regio" - Kunstbestand der Baden-Württembergischen Bank, Freiburg 1994:
 
Hin und wieder trifft man sie, Maler, die auch Musiker sind, Musiker, die malen. Geradezu reflexhaft werden dann Vergleiche gezogen, suchende Blicke und gespitzte Ohren: Ist in diesem Bild nicht etwas von der Musik dieses - selben - Menschen? Hört man aus den musikalischen Kompositionen die malerischen heraus?
Thomas Lefeldt, 1949 in Hamburg geboren, hat ein Klavier- und Kompositionsstudium an der Musikhochschule Detmold absolviert bevor er 1980 nach Freiburg kam, um als Klavierpädagoge und freischaffender Maler zu arbeiten. Er ist Musiker und Maler, und er liebt die Suche nach Vergleichen, Parallelen und Schwerpunkten nicht. Die Musik ist eine Sache, die Malerei eine andere.
 
Ein Zugang zu den Bildern des Künstlers erschließt sich über die von ihm bevorzugten Arbeitsmittel. Teer, Sand, Asche, verschiedene Töne isländischer Lava und getrocknetes Gras gehören zum festen Ensemble der Lefeldt'schen Arbeiten, deren Farbigkeit sich unmittelbar von diesen Materialien ableitet: Es sind Naturtöne, Weiß und Schwarz - erst in jüngster Zeit treten Blau, manchmal Rot hinzu. Schon dieses Repertoire rückt Lefeldts Bilder näher an eine weit gefasste Gegenständlichkeit als an die streng genommene Abstraktion. Der Naturbezug der Materialien und die Art ihrer Behandlung rührt an Gesehenes, auch wenn der Betrachter sich nicht sofort zu erinnern vermag: Zu beiläufig streifte die Struktur eines Waldbodens, der halbverfallenen Mauer hinter dem Garten sein Bewusstsein. Der Künstler hat sie wahrgenommen. Er hat das scheinbar Vertraute genauer und immer wieder betrachtet, bis es sich vor seinen Augen veränderte, zuerst fremd wurde, sich dann als eine eigene Welt, mit eigenen Regeln und Gesetzmäßigkeiten, offenbarte.
 
Besonders in den hellen Bildern ist ein nächster Schritt leicht vollzogen. Sandige Dünen mit vom Wind bewegten Gräsern heben die Bilder schnell über die Struktur hinaus zu den Elementen: Luft und Wasser stecken in den Bildern; und wie die Elemente nach Aristoteles ineinander umwandelbar sind, haben Teer, Asche und die vielfarbige Lava erdige Qualität und tragen doch noch das Feuer in sich.
 
Lefeldt hat in der Konzentration auf winzige Ausschnitte der Erdoberfläche die vier Elemente gefunden.
Kathrin Erggelet
Der Blick auf den Boden
 
Max-Planck-Institut für Immunbiologie Freiburg 1988
 
Der Maler Thomas Lefeldt
 
Thomas Lefeldts Bilder, zur Zeit im etwas abgelegenen Freiburger Max-Planck-Instiut für Immunbiologie zu sehen, sind das Ergebnis einer beharrlichen Spurensuche. Ausschließlich geht es in ihnen um die Erfahrungen und Entdeckungen, die man machen kann, wenn man den Blick intensiv auf den Boden richtet. Erst aus diesem „forschenden” Nach-unten-Schauen, der Konzentration auf das scheinbar Nebensächliche, ergibt sich für den bei Freiburg lebenden gebürtigen Hamburger die Möglichkeit, die „Welt” zum Bild zu formen. Ein mikroskopischer Blick also. Die Wirklichkeit ist bei Lefeldt ein Mikrokosmos aus dunklen, erdigen Brauntönen, trockenen roten Pigmentflecken und krakeligen Schwarz-Lineaturen. Eine informelle Materialcollage. aus Gräsern, Vulkanasche, Sackleinen, aus fetten Schwarzverläufen und verschmutzten Weissbahnen. Ein Schattenreich, in dem unvermischte leuchtende Farben beinahe nicht vorkommen. Das klingt düsterer, als es ist, denn trotz der moll-gefärbten Grundstimmung geht es auf den Bildern des knapp 40jährigen Autodidakten weniger um die Erfahrung des Verfalls, als um eine elementare Neugier: Hier versucht einer herauszufinden, was passiert, wenn man ganz nahe an die Dinge herangeht.
Das kann ungeheuer kraftvoll aussehen, wie auf dem großformatigen „Torso I”, in dem der schwarze Mittelpunkt wie ein aufgerissenes Körperinneres von dem umgebenden Weiß in die Bildecken verspannt wird. Es kann kostbar und sinnlich wirken wie in den kleinen poetischen Collagen aus Gazestreifen, flatterndem Weiß und dezenten Rottupfern, oder auch irritierend doppelbödig. Nur manchmal - und am häufigsten bei den neuen Bildern - spürt man eine gewisse Beliebigkeit. Da scheint es, als habe den Maler sein sonst so genauer und geduldiger Blick verlassen. Statt dessen gibt es plötzlich sehr viel Farbe, Blau und Violett, mächtig massiv, aber inhaltlich einfach nicht ganz bewältigt, und eine Bildkonstruktion, die die sonst so souverän beherrschte Balance zwischen „gespannter” Organisation und fließender Auflösung zugunsten einer gefälligeren Eindeutigkeit aufgibt.
Tobias Mauthe
Badische Zeitung, 14. September 1985:
 
Schwarz, nicht als Abdeckung, sondern als Kontrast zu Flächen und Formen, die schließlich in einem krassen Weiß ihren Höhepunkt finden, dominiert auch im Werk von Thomas Lefeldt, der in der der alten Evangelischen Kirche in Kirchzarten seine Gemälde vorstellt. Von der Musik herkommend, eröffnen sich für ihn mit dem Medium Malerei neue Aussagemöglichkeiten. Losgelöst von gegenständlichen Vorlagen, hat er sich dem Primat der Farben verpflichtet, die er in der Auswahl begrenzt, in der Wirkung aber durch die Arbeit mit spannungsgeladenen Kontrasten und durch eine „wilde” Maltechnik beinahe ins Explosive steigert.
Die Kombination der Materialien, von Öl- über Acrylfarben, Bleistift, Kreide bis zum Bitumen sowie die mit Papier beklebte Leinwand verleihen den Bildern einen faszinierenden, mitunter beunruhigenden Charakter.
Marion Kouremetis
Badische Zeitung, 15. September 1985:
 
Thomas Lefeldt stellt im Kunstverein Kirchzarten aus
 
Lefeldts Kunstrichtung ist die informelle Malerei: Seine Kunst ist gegenstandsfrei, versucht nicht, anhand einer allgemein verständlichen Symbolik etwas Bestimmtes auszudrücken. Seine Gemälde werden durch den Rhythmus und die Struktur ineinander greifender Flecken und Linien geprägt.
Schwarz, Weiß und Grauschattierungen dominieren in Lefeldts Bildern. Nur hin und wieder schimmern Ocker, Braun oder Rot durch, manchmal weist das Grau eine bläuliche Tönung auf. Der Künstler arbeitet zumeist mit Acrylfarben, die er mit Pigment-, Ölfarben, Blei, Kreide oder Bitumen kombiniert. Fast alle Bilder haben eine bewegte Oberflächenstruktur, die durch Aufkleben von Materialien wie Stoff, Kordeln oder Knöpfen oder aber durch Auftragen und Modellieren dicker Farbschichten entstanden ist. Die dreizehn ausgestellten Kunstwerke wirken vorwiegend düster: Schwere schwarze Flächen drücken auf den helleren Teil eines Bildes, grelles Weiß sticht aggressiv zwischen zwei dunklen Flächen hervor, wirre Linien überziehen gleich Spinnenarmen oder bedrohlichen Rinnsalen, aber auch gleich Wurzeln oder Wegen in einer von oben betrachteten Landschaft die scharf voneinander abgesetzten oder verschwimmend ineinander übergehenden verschieden schattierten Farbflecken.
Dass in den Bildern nichts begrifflich Erfassbares ausgedrückt werden soll, dass der Malvorgang selbst den Charakter des Bildes fast stärker prägt als die Vorplanung, so dass die Komposition einer Intuition einem kaum nachvollziehbaren subjektiven Erleben im Moment des Gestaltens entspringt, erschwert die Beschreibung der Gemälde. Der Betrachter von Thomas Lefeldts Bildern ist stets versucht, bekannte Formen (einen Baum, eine menschliche Gestalt, einen Tierkopf) herauszulesen und durch die eigene begriffliche Interpretation dem Bild eine Bedeutung abzugewinnen, die der Maler nicht oder zumindest nicht ausdrücklich hineingelegt hat. Vielleicht liegt gerade darin jedoch der Reiz dieser Malerei: Dem Künstler ist schwer auf die Spur zu kommen, jeder Betrachter kann dafür selbst aus dem Bild herausholen, was er darin sucht, und wird so beim Anschauen zu eigener Kreativität angeregt.
sis
Eröffnungsrede von Clemens Hunger am 21. Oktober 2016, anlässlich der Vernissage im Kunstforum Hochschwarzwald, Titisee-Neustadt

Sehr verehrte Anwesende!

Ich bin als Künstlerkollege von Thomas Lefeldt gebeten worden, hier heute eine kurze Einführung zu geben und ich tue das herzlich gerne. Zwei Fragen als erstes.
Einmal an Sie: was erwarten Sie eigentlich von einer Ausstellung an einem Ort, der so wunderbar eingebettet ist, in die kraftvolle Naturlandschaft des Hochschwarzwaldes und den Sie jetzt nach Feierabend noch aufsuchen, was muss dieses Ereignis für Sie ihrer Meinung nach leisten oder erfüllen?
Dann aber auch die Frage an die hier gezeigten Bilder: was erwarten diese eigentlich von Ihnen, in welcher möglichen Weise möchten sie von Ihnen angeschaut werden? Um das im gegenseitigen Einvernehmen klären zu können, braucht es meines Erachtens ein paar Hintergrundsinformationen, die ich ebenfalls gerne bereit bin preiszugeben.

Wie kann es denn überhaupt dazu kommen, dass einer so malt, wie sie es hier sehen können?
Vielleicht dadurch, dass der Vater im nebenberuf Fotograf und Landschaftsmaler ist, und die Mutter eine Pianistin? Dieses schöpferische Potential ist sogleich mit der Muttermilch aufgesogen worden. Durch ein derart motiviertes Elternhaus hat das Hamburger Kind schon frühzeitig zum Malstift oder später dann zur väterlichen Kamera gegriffen, entwickelte in der hauseigenen Dunkelkammer nicht nur Papierabzüge sondern damit auch überhaupt seine künstlerischen Ambitionen.
Malend fertigte der kleine Thomas wundersame landkartenhafte Zeichnungen an, zog wegartige Linien, Flüsse mäanderten über die Papieroberfläche, er komponierte Luftbilder imaginierter Landschaften, nahm die Vogelperspektive ein, noch lange bevor die Menschheit mit google earth beglückt ward.
Später dann zeichnete der Knabe Landkarten getreu ab; regional, überregional, international. in den 60ern schrieb er sogar den albanischen und rumänischen Rundfunk an, ob man ihm nicht topografische Karten zum abzeichnen schicken könne, was diese prompt taten und ihm als Dank für sein jugendliches Interesse noch jahrelang Weihnachtsglückwünsche übersandten.
Er hätte Kartograph werden wollen und können.
Er wurde künstler, Gott sei Dank, Musiker, Pianist in erster Instanz ohne jedoch das andere, das Fotografieren und Malen, je zu lassen.
Er ist ein Suchender und er findet.
Als komponist Melodien, als Fotograf Motive, als Maler Beglückung.
Er horcht, schaut, stimmt sich in Natur- und Kulturräume ein und entnimmt diesem Kosmos des Alltäglichen mit geschulter Wahrnehmung die ausschnitthaften Motive, die er erst fotografisch festhält und die ihm als freie Vorlage für seine Malerei dienen. Er ist also noch immer auf höhenflugartigen Streifzügen unterwegs, sucht im Umfeld verwitternder Bauwerke oder monetscher Wassseroberflächen seine Ausschnitte -zoomt sich im entscheidenden Augenblick heran, hält fest, was er für sehenswert befindet.

Teichbilder, Mauerbilder nennt er sie. Fotografien, die für sich schon vollkommen sind. Warum sie noch malen?
Der Künstler selbst: ich schaue auf die Erde, mache Fotos und denke, dass sind alles noch nicht gemalte Bilder.
Der rumänische Bildhauer Brancusi hat einmal formuliert: warum soll ich über meine Skulpturen sprechen, wenn ich sie doch fotografieren kann. Umgekehrt dazu vielleicht ein Thomas Lefeldt: was meine fotografien zeigen, darüber muss ich nicht sprechen, wenn ich es auch malen kann.
Was dabei herauskommt sind nicht länger bloss künstlerisch wertvolle Abbildungen einer realen Welt, sondern wirkliche Neuschöpfungen, unentdeckte Landschaften innerer nicht äusserer Natur. Sinnlicher als die Fotografien es je sein könnten, weil dem entmaterialisierten Ausschnitt durch den Malprozess wieder eine stoffliche Dimension hinzugefügt wird und sich zu einem völlig eigenständigen Bild umgestaltet. Aus dem bekannten, dem schon Gesehenen entsteht das noch nicht Gesehene. Es ist das, was einen künstlerischen Prozess ausmacht, wo angeknüpft an Vorhandenes, gleichzeitig aber in das Reich des noch nicht Vorhandenen, des noch Unbekannten, dem noch nicht Gesehehenen vorgedrungen wird, um an einem Schöpfungsakt teilhaftig zu sein und zugleich immer auch neu zu sich selbst geführt zu werden.
Eine echte Kulturtat also.
Was aber hat das nun mit Ihnen zu tun?
Sie haben als Betrachtende nun in ähnlicher Weise die Möglichkeit, sich in diese topografischen Bildwerke zu versenken und im Durchwandern dieser landschaftlich und architektonisch anmutenden Motive wiederum ihre eigenen, ganz persönlichen Ausschnitte zu entdecken, um sich als aktiv kreative Teilhaber die hier gezeigten Bildwerke ideell oder auch bitte schön materiell anzueignen.
Schauen sie sich die ganze Ausstellung an, der Künstler hat das seinige getan, jetzt sind Sie an der Reihe, ihre Aufmerksamkeit vollendet den künstlerischen Prozess erst, lassen sie sich von den Bildern berühren, werden sie ein Teil von ihnen und umgekehrt. Sie brauchen sie und umgekehrt.
Deshalb sind Sie möglicherweise hier.
Und darum sind die gezeigten Werke an einem solchen Ort in der Natur mit ihnen als Betrachter so sinnstiftend.
Franz Grillparzer formulierte es einst so: die Kunst verhält sich zur Natur wie der Wein zur Traube – also stossen wir an:
Natürlich auf die Kunst und selbstverständlich auf den Künstler.

Vielen Dank.

Thomas Lefeldt: Zur Natur meiner Malerei (2007)

Waren frühere Malperioden noch hauptsächlich abstrakt-informell geprägt, thematisch beliebig und nur vage an naturhafte Eindrücke gekoppelt, so wurden die Themenkreise in ihrer Naturbezogenheit nach und nach konkreter und direkter. Unterstützung fand sich wieder einmal in der Fotografie, mit neuen Sichtweisen für die Malerei. Viele dieser Fotografien sind im Nahbereich entstanden und nehmen bereits die bildnerische Gestaltung, die malerische Umsetzung vorweg. Das Fotoauge ist hier eindeutig das Malerauge, weshalb ich meinen Fotografien bisher immer ein künstlerisches Eigenleben verwehrt und nie ausgestellt habe.
Zunächst entstanden Serien von Teichfotografien, hinzu kamen Serien von Mauerfotos und alten Maschinenteilen, vorzugsweise landwirtschaftliche Geräte oder in die Natur verbaute oder abgestellte Maschinen, deren rostige Oberflächenstrukturen mit ihren abgeblätterten Farbschichten zu malerischer Umsetzung anregten, wobei die technisch- konstruktive Beschaffenheit (Baumaschinen, Anhänger, Kräne etc.) gleichzeitig den formalen Aufbau mitbestimmte. Nicht zuletzt zeigen sich bis heute zwei gegensätzliche thematische Ebenen: die (Wasser)fläche, Oberfläche (oberste Schicht) ("Surface") mit ihren Lichtreflexen und Tiefenregionen, in denen sich Reflexe und untere Schichten vermischen, als Vexierspiel der Natur. Und andererseits die Maueroberfläche, spröde, rissig, verletzt, mit ihren unzähligen aufgebrochenen, abgeplatzten Schichten, die Assoziationen von Landschaften, Figuren, Gesichtern etc. auslösen, als Wand ist sie aber undurchdringbar, abweisend, nur in der Fantasie eröffnet sie neue Räume von ungewöhnlicher Vielfalt. Dementsprechend bildeten sich nach und nach die malerischen Schwerpunkte als "Mauerbilder" und "Teichbilder" heraus. Diese Titel werden nicht immer vergeben, eigentlich sind es Arbeitstitel, mit denen der Zusammenhang einer Serie deutlich werden soll. Auch die Kategorisierung ist trügerisch: Manche Mauerbilder sehen wie Teichbilder aus und umgekehrt. Denn das gemalte Bild ist weder Mauer noch Teich, Aneignungen oder Abbildungen der Wirklichkeit, sondern vielmehr deren Nachgestaltung. Die reale Mauer lässt mit ihrer von Moos und Flechten bewachsenen Oberfläche Eindrücke von Fluss- oder Teichlandschaften, Urwäldern aufsteigen. Diese Strukturen sind maltechnisch mit Hilfe eingearbeiteter Materialen wie Sand, Pappestücken (oft als formales Gerüst oder Bild im Bild eingesetzt), Makulatur, Textilien etc. umgesetzt, so dass der Betrachter die Wahrnehmungsebene des rein "Topografischen" verlassen muss, um sich dem dem Spiel seiner Fantasie überlassen zu können. Andererseits weisen auch die Teichbilder oftmals eine rissig-spröde, materialbetonte Oberflächenbeschaffenheit auf, die den Eindruck einer Teichlandschaft eben nur assoziiert und immer wieder auf die Realität des Materials verweist.
Neben "Mauer"- und "Teichbildern" gibt es u.a. auch noch die "Spundwände", als Schnittpunkt zwischen Wasser und Erdreich, oft reduziert auf einen oder mehrere Balken, die das Bild vertikal durchschneiden und manchmal nur noch die in den Boden gerammten Eisenträger, die das Teich-oder Flussufer abstützen sollen, symbolisieren. All dies ist nur als hintergründige Anspielung gedacht, als ironisches Spiel mit Sehgewohnheiten und dem Anteil der Fantasie daran.
Denn eigentlich geht es immer um eine Malerei, die gleichsam aus sich heraus entsteht und sich dem Maler genauso wie dem Betrachter offenbart: z.B. in der Faszination eines verkrusteten Farbverlaufs und dem, was er an Assoziationen und Empfindungen auslöst, wobei alle Sinne beteiligt sind: Bekanntlich fängt das Malen für viele Künstler ja bereits mit dem Geruch nach Farbe und Terpentinöl an und setzt sich sodann in dem eigentlichen Malprozess als sinnliche Erfahrung um. Auch das Auge, das die Natureindrücke einfängt, "riecht" mit und bewahrt viele Seheindrücke über den Geruchssinn, vor allem, wenn man näher an die Dinge herangeht.

Technisch gesehen verweigern sich meine Bilder dem klassischen Duktus des malerischen Pinselstrichs, was sie immer wieder und unzutreffenderweise als Abstrakte Malerei erschienen lässt. Die Malweise ist zwar informell oder zumindest an der informellen Malerei geschult, doch formal organisierter und in Anlehnung an einen gegenständlichen Bezug. Was so oft und vereinfachend als abstrakt bezeichnet wird, entzieht sich lediglich der gewohnten Sehweise, die auf dem Wiedererkennen von Vertrautem beruht.
Ich arbeite oft mit Wasser/Öl-Suspensionen, das sind keine Emulsionen wie Eitempera, sondern Farbaufschwemmungen, Ölfarbenteppiche, die z.B. auf Wasserfarben schwimmen, die sich zusammenziehen oder ausflocken. Widerstreitende Materialien, manchmal schwer zu beherrschen, aber auch der Zufall ist willkommen, er gestaltet das mit, was ich als "natürliche" oder der Natur nachempfundene Entwicklung in der Anlage des Bildes suche. "Suspension" kann also für viele meiner Bilder wörtlich genommen werden, als Merkmal des Herstellungsprozesses. Gleichzeitig aber auch als Auflösungsfeld, in dem sich Flächen und Strukturen, aber auch Konflikte, Gegensätze etc. scheinbar ohne Zutun des Malers auflösen, dennoch aber vom unterschwelligen Pulsieren des Machens durchzogen und zu formaler Einheit gezwungen.
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